Verkehrszahlen

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BNN Leserbrief: Überraschende Fakten

Dienstag, Januar 31st, 2012

Zu den BNN Artikeln: “Am schlimmsten betroffen” vom 28. Januar und “Durch den Kreis rollen einige Blechlawinen” vom 17. Januar

Verkehrsfragen wecken Emotionen, insbesondere wenn Bürger direkt betroffen sind. Es ist aber bedauerlich, wenn ständig falsche Aussagen wiederholt werden.

Hätte sich die Bürgerinitiative “Pro Umgehungsstraße” mit den Quellen zum Artikel “Durch den Kreis rollen einige Blechlawinen” befasst, wäre sie auf ein paar überraschende Fakten gestossen. Die bundesweite Straßenverkehrszählung 2010 hat für die Zählstellen an der B3 und B292 in Bad Schönborn tatsächlich folgende Verkehrszahlen ermittelt:

  • B3 Mingolsheim Nord: 10.400 Kraftfahrzeuge pro Tag, davon 540 Schwerverkehr-Fahrzeuge. Der Gesamtverkehr hat seit 2005 um 10% abgenommen.
  • B3 Langenbrücken Süd: 10.600 Kraftfahrzeuge pro Tag, davon 250 Schwerverkehr-Fahrzeuge. Der Gesamtverkehr hat seit 2005 um 14% abgenommen.
  • B292 Richtung Östringen: 10.900 Kraftfahrzeuge pro Tag, davon 570 Schwerverkehr-Fahrzeuge. Der Gesamtverkehr hat seit 2005 um 11% abgenommen.

Das sind gemessene Zahlen, die 30% (beim Gesamtverkehr) bis 70% (beim Schwerverkehr) unter den behaupteten Werten der Bürgerinitiative liegen. Die Ortsdurchfahrt von Bad Schönborn ist daher bei weitem auch nicht die “am schlimmsten betroffene” Ortsdurchfahrt im Landkreis Karlsruhe-Land.

Auch die Planung zur Ortsumgehung Bad Schönborn ist keineswegs fertig. Es liegen noch über 400 Einwendungen von Bürgern vor. Selbst die von der Bürgerinitiative zitierte Stellungnahme der Gemeinde Bad Schönborn beinhaltet drei wesentliche KO-Kriterien, die vom Landratsamt  immer noch nicht erfüllt worden sind.

Die Finanzierung der Planung ist ebenfalls ungeklärt. Land und Kreis wollen ihre Haushalte sanieren. Für viele neue Straßen werden keine Mittel vorhanden sein. Der Landkreis verfügt nicht mal über 50% der Haushaltsmittel um das bestehende Kreisstraßennetz zu erhalten. Wobei der Landkreis mit bescheidenen Sanierungskosten von rund 100.000 Euro je Kilometer rechnet. Zum Vergleich: der Belag der B3 Ortsdurchfahrt in Mingolsheim wurde im letzten Herbst für rund 350.000 Euro je Kilometer saniert.

Für mehr Lärmschutz und Verkehrsberuhigung in Bad Schönborn müssen erst einmal die Zahlen und Fakten für die Gemeinde erhoben werden, wie es z.B. Ubstadt-Weiher und Östringen vorgemacht haben. Es gilt dann die Maßnahmen zu planen und zu ergreifen, die dazu beitragen die Wirkungen des Auto- und LKW-Verkehrs kurzfristig zu verringern. Unser Verkehr ist mehrheitlich hausgemacht. Nur gemeinsam können wir dessen Probleme lösen.

Bad Schönborner Besonderheit VIII: LKW-Lawinen-Vorhersage

Sonntag, November 21st, 2010

Die Pro AG (die sich neuerdings auch “Aktionsbündnis” nennt, bloss bleibt unklar, welche Organisationen sich hier verbunden haben sollen) sieht in Zukunft eine LKW-Lawine durch die Ortschaft fahren. Sie beruft sich dabei auf die Prognose des Landratsamtes (Verkehrsgutachten) und einen Artikel im Staatsanzeiger.
Machen wir doch einen Realitätscheck und “beamen” uns 15 Jahre zurück. Wir schreiben das Jahr 1995 und Baden-Württemberg hat den Generalverkehrsplan 1995 erstellt. Die Prognose der Verkehrsentwicklung erstreckt sich bis zum Jahr 2010.
Im “Fazit einer Verkehrswelt 2010″ sind dort Sätze zu lesen, wie

… Bei konsequenter Umsetzung des Generalverkehrsplanes können die heutigen Verkehrsprobleme bis zum Jahr 2010 weitgehend gelöst oder zumindest deutlich entschärft werden. … (Seite 9)

Weiter wird im Generalverkehrsplan eine Zunahme der LKW-Fahrten um 43% prognostiziert (Zeitraum 1995 – 2010, S. 36).

1. Entwicklung des Schwerverkehrs (auf Basis von Zählungen)

Wie sieht die tatsächliche Entwicklung des Schwerverkehrs (SV) in Bad Schönborn aus?

B3 Mingolsheim Nord (Richtung Uhlandshöhe)

  • 1992: 858 SV-Fahrzeuge
    (in 16 Stunden – Quelle: Gutachten 2001 – Zählung am 23.06.1992)
  • 2000: 609 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Quelle: Strassenverkehrszählung 2000)
  • 2000: 664 SV-Fahrzeuge
    (in 16 Stunden – Quelle: Gutachten 2001 – Zählung am 11.04.2000)
  • 2005: 664 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Quelle: Strassenverkehrszählung 2005)

B3 Langenbrücken Süd (Richtung Stettfeld)

  • 1992: 615 SV-Fahrzeuge
    (in 16 Stunden – Quelle: Gutachten 2001 – Zählung am 23.06.1992)
  • 2000: 321 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Quelle: Strassenverkehrszählung 2000)
  • 2000: 592 SV-Fahrzeuge
    (in 16 Stunden – Quelle: Gutachten 2001 – Zählung am 11.04.2000 – Abweichung von >84% gegenüber der Zählung des Bundes!)
  • 2005: 377 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Quelle: Strassenverkehrszählung 2005)

Die Ergebnisse der Strassenverkehrszählung 2010 liegen leider erst im nächsten Jahr vor. Die Unterschiede zwischen der Zählung des Gutachters und der Zählung des Bundes im Jahr 2000 sind sehr hoch, werden aber an keiner Stelle im Verkehrsgutachten diskutiert.

Auf jeden Fall ist aus Basis dieser gemessenen Verkehrszahlen KEIN erheblicher Zuwachs des Schwerverkehrs zu sehen. Der Schwerverkehr war in den 90er Jahren sogar z.T. erheblich grösser.

2. Prognose des Schwerverkehrs im Verkehrsgutachten

Interessant ist aber zu sehen, welche Zahlen der Verkehrsgutachter für die Null-Fall Prognosen im Jahr 2020 und 2025 nutzt. Im Gutachten von 2004 geht der Verkehrsgutachter übrigens mit keinem Wort auf den Schwerverkehr ein…

B3 Mingolsheim Nord (Richtung Uhlandshöhe)

  • 2000: 820 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Gutachten 2001 – diese Zahl liegt damit 35% über die vom Bund gemessenen Zahlen!)
  • 2020: 960 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Abb. 16 Gutachten 2001 – Wachstum 2000/2020: +17%)
  • 2025: 940 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Gutachten 2009 – Wachstum 2000/2025: +15%)

B3 Langenbrücken Süd (Richtung Stettfeld)

  • 2000: 1.090 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Gutachten 2001 – diese Zahl liegt damit 240% über die vom Bund gemessenen Zahlen!)
  • 2020: 1.270 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Abb. 16 Gutachten 2001 – Wachstum 2000/2020: +17%)
  • 2025: 1.270 SV-Fahrzeuge
    (in 24 Stunden – Gutachten 2009 – Wachstum 2000/2025: +17%)

Für die Entwicklung des Schwerverkehrs für den Null-Fall ist im Verkehrsgutachten von Beginn an mit grob falschen Zahlen (siehe Werte für den Schwerverkehr in 2000) gerechnet worden. Insbesondere die hohe Zahl an Schwerverkehr-Fahrzeugen auf der B3 in Richtung Stettfeld ist in keiner Weise nachvollziehbar.

Mit ist langsam klar, wieso keiner der Befürworter eine aktuelle und umfassende Verkehrszählung haben will…

Anmerkung: Emissionen eines LKWs

Jeder LKW-Spediteur würde zudem auf den Umstand aufmerksam machen, dass sich zwischen 1991 und 2006 die spezifischen Emissionen je LKW-Tonnenkilometer zum Teil stark verringert haben (Quelle: Umweltbundesamt):

  • Kohlendioxid: – 40%
  • Stickoxide: – 55%
  • Feinpartikel: -76%

Bad Schönborner Besonderheit VII: -10.000 Kfz/Tag auf der B3 in Mingolsheim

Samstag, November 20th, 2010

10.000 Fahrzeuge weniger durch die Umgehungsstraße in Mingolsheim. Das versprechen die Verkehrsplaner und die befürwortenden Parteien den Anwohnern der B3. Die Frage ist: wie kommt diese Zahl zu Stande?

1. für eine derartige massive Entlastung gilt es erst einmal den Null-Fall (d.h. die Gemeinde und der Landkreis unternehmen gar nichts) zu berechnen. Leider gibt das Verkehrsgutachten von 2009 so gut wie keine Information, auf welcher Basis dieser Null-Fall berechnet wurde. Es gibt in diesem Verkehrsgutachten ja nicht einmal ein Quellenverzeichnis, geschweige denn eine Erläuterung der Berechnungsmethodik (siehe auch Kritikpunkte zum Verkehrsgutachten). So kommt der Gutachter einfach zum Schluss, dass zum Beispiel auf der Heidelberger Straße in Mingolsheim im Null-Fall im Jahr 2025 15.100 Kfz pro Tag fahren werden. Eine starke Zunahme der Verkehrszahlen für den Null-Fall ist auf jeden Fall von Vorteil um eine hohe Entlastung zu erreichen…

2. Eine weitere Schlussfolgerung aus Sicht eines B3-Anwohners: Diese Zahlen können ja schon mal nicht stimmen, da z.B. der Binnenverkehr von Mingolsheim nicht berücksichtigt ist.

3. der Verkehrsgutachter wird dann in einem zweiten Schritt die Verkehrsverlagerung auf die neue Straße berechnen. Für den Planungshorizont 2025 (Gutachten von 2009) gibt es keine Details. Der Leser erfährt nicht, wie der Gutachter auf die Entlastungszahlen kommt. Im Gutachten von 2004 (Planungshorizont 2020) hatte der Gutachter die Grundlagen noch etwas näher erläutert. Vier konkrete Beispiele aus diesem Gutachten aus dem Jahr 2004 werden im folgenden betrachtet:

3.1 Verkehr aus Richtung Östringen in Richtung Heidelberg (und umgekehrt)

Laut Verkehrsgutachter würden ALLE Autofahrer aus Richtung Östringen nicht mehr die kürzeste Strecke über die Rochusstraße, sondern den Umweg über die neue Umgehungsstraße fahren. Damit verschwinden im Gutachten 961 Kfz / Tag von der B3 (Heidelberger Straße). In der Realität wird die Mehrheit der Autofahrer natürlich weiter die kürzeste Strecke über die Rochusstraße / Heidelberger Straße fahren. Es gibt ja heute schon den Schleichverkehr über die Beethovenstraße durch den Kurbereich.

3.2 Verkehr aus Richtung Langenbrücken in Richtung Heidelberg (und umgekehrt)

Der Verkehrsgutachter hat auch für die Einwohner von Langenbrücken einiges vor: kein einziger Einwohner von Langenbrücken soll im Jahr 2020 auf der B3 durch Mingolsheim in Richtung Heidelberg mehr fahren… Damit verschwinden zusätzliche 718 Kfz/Tag von der Heidelberger Straße (natürlich nur auf dem geduldigen Papier des Gutachtens). Für wie realistisch halten Sie das denn?

3.3 Verkehr aus Richtung Stettfeld in Richtung Heidelberg (und umgekehrt)

Der Verkehrsgutachter geht auch hier davon aus, dass der KOMPLETTE Verkehr von/zu Orten südlich von Langenbrücken über die neue Umgehungsstraße geführt wird. Damit verschwinden im Verkehrsgutachten weitere 5.807 Kfz / Tag von der B3 (Heidelberger Straße). Eine derartig hunderprozentige Verkehrsverlagerung ist völlig unrealistisch.

Schon mit diesen drei Beispielen hat der Verkehrsgutachter rund 7.500 Kfz/Tag von der B3 in der Heidelberger Straße verschwinden lassen. Diese Verkehrsverlagerung wird leider nur auf dem Rechner des Verkehrsgutachters stattfinden…

Natürlich betreffen die unrealistischen Verkehrsverlagerungen nicht nur die B3, sondern auch z.B. die Bahnhofsstraße in Mingolsheim:

Hier nimmt z.B. der Gutachter an, dass KEIN EINZIGER Autofahrer mehr aus Östringen kommend durch die Rochus- und Bahnhofsstraße nach Kronau fährt (und umgekehrt). Damit verschwinden auf einen Schlag 1.073 Kfz/Tag von der Bahnhofsstraße.

Es ist schon erstaunlich wie gutgläubig die Politiker sind, die ohne Rückfragen eine Aussage wie “10.000 Autos weniger auf der B3 in Mingolsheim” immer wiederholen… Der Landkreis war der Auftraggeber: diese vier Beispiele zeigen auf, wie Verkehrsgutachter die politisch gewünschte Verkehrsentlastung “berechnen” lassen können.

Welchen Verkehr habe ich vor der Haustür?

Samstag, November 20th, 2010

Ein Gemeinderat wollte mir vor einigen Tagen weismachen, dass der Anteil des Durchgangsverkehrs am Gesamtverkehr auf der B3 in Mingolsheim nach seinem Bauchgefühl (“ich kenne mich hier aus”) rund 80% betragen würde.
Kann das stimmen? Wer an der B3 wohnt, findet vor seiner Haustür folgende Verkehrsarten:

  • Durchgangsverkehr (regional oder überregional)
  • Quell- und Zielverkehr (von und nach Mingolsheim)
  • Binnenverkehr (innerhalb von Mingolsheim)

Das folgende Schaubild veranschaulicht diese drei Verkehrsarten:

  • Beispiel für (regionalen) Durchgangsverkehr: Der schwarze Autofahrer fährt z.B. von SAP in Walldorf über die B3 durch Mingolsheim zu seinem Haus in Zeutern.
  • Beispiel für Quell- und Zielverkehr: Der rote Autofahrer ist Rentner und fährt z.B. von Heilbronn nach Mingolsheim in die Therme.
  • Beispiele für Binnenverkehr: Der grüne Autofahrer fährt von der Pestalozzistrasse zum REWE zum Einkaufen.

Der erste interessante Punkt ist, dass der Binnenverkehr von der bundesweiten Verkehrszählung (2000, 2005 und 2010) nicht erfasst wird. D.h. der gesamte Binnenverkehr, der vor den Häusern an der B3 fährt, wird von diesen offiziellen Verkehrszahlen NICHT erfasst. Der Binnenverkehr kann nur durch eine Analyse der wichtigen Verkehrsknoten im Ort sowie durch eine Verkehrsbefragung erhoben werden. Dies ist in Bad Schönborn seit 1985 nicht mehr geschehen.

Doch zurück zum Bauchgefühl des Gemeinderats. Ein Blick in die Statistik der Berufspendler zeigt, dass es in Bad Schönborn rund 2.000 Einpendler und 3.400 Auspendler gibt. Im Durchschnitt fahren 80% der Pendler mit dem eigenen PKW zur Arbeit. Nehmen wir weiter an, dass sich der Verkehr in alle vier Himmelsrichtungen gleichmässig aufteilt, würden z.B. am Ortsausgang Mingolsheim (Nord) folgende Verkehre von Berufspendlern aus/nach Bad Schönborn zu erwarten sein: 5.400 x 2 (morgens hin, abends zurück)  x 0,8 (Anteil PKW an Verkehrsmittel) / 4 (nur eine Verkehrsrichtung) = 2.200 PKW / Tag (allein durch Berufspendler).

Würden nun tatsächlich 80% des Verkehrs Durchgangsverkehr sein, würden am Ortsausgang Mingolsheim (Nord) noch 0,2 x 13.000 PKW/Tag = 2.600 PKW/Tag für Ziel- und Quellverkehr übrig bleiben. D.h. der gesamte Ziel- und Quellverkehr müsste durch Berufspendler hervorgerufen worden sein… Das kann nicht sein, denn dann gäbe es z.B.

  • keinen auswärtigen Rentner, der zur Therme Mingolsheim mit dem PKW fährt
  • keinen einheimischen Handwerker, der zum Kunden nach Malsch fährt
  • keine Mutter, die zum IKEA-Einkaufen nach Walldorf fährt
  • und und und

Es gäbe auch keinen Mingolsheimer, der z.B. zum REWE oder Lidl mit dem Auto zum Einkaufen und dafür der B3 entlang fährt. Denn der Binnenverkehr ist ja bei diesen Verkehrszahlen noch gar nicht berücksichtigt.

Dieses anschauliche Beispiel zeigt: das Bauchgefühl kann in Verkehrsfragen sehr täuschen. Deshalb ist die Forderung nach einer aktuellen Verkehrsanalyse und -befragung absolut berechtigt!

Schlag auf Schlag

Dienstag, November 16th, 2010

Beitrag von Georg Henneges (Interessengemeinschaft Umgehungsstraße)


Ja , in der letzten Woche ging es Schlag auf Schlag. Es begann am letzten Wochenende mit dem Interview, die K3575-Initiative dem Wochenblatt gab. Es gelang darin, unsere Sichtweise zur K3575-Planung darzustellen und die zweifelhaften Grundlagen der Verkehrsdaten zu hinterfragen.
Montagabend waren wir an zwei Stellen gefordert: Zum einen galt es die Bürgerversammlung der SPD am Mittwoch vorzubereiten und zum anderen wollten wir über die Ergebnisse der Bürgerversammlung zu den Verkehrsbefragungen und –zählungen in Östringen informiert werden. Interessant, dass die Bürger von der Gemeinde dort unterrichtet wurden. Wir fordern seit 10 Jahren die Aktualisierung der Verkehrsdaten für Bad Schönborn. Bisher ist es uns leider nicht gelungen die Verwaltung und die Gemeinderäte davon zu überzeugen, dass man ein solches „Jahrhundertprojekt“ nicht mit 25 Jahre alten Verkehrsdaten begründen kann. Was in Östringen binnen weniger Monate gelang, scheint in Bad Schönborn unmöglich zu sein.

Dienstagmorgen war wiederum Interviewtag; dieses mal kam der SWR zu uns und hinterfragte unsere Sicht der Dinge. SWR-Reporter Jürgen Essig besuchte anschließend Bürgermeister Rolf Müller, der natürlich ebenfalls gehört werden musste. Auch hier gelang es Georg Henneges zumindest Nachdenklichkeit beim Hörer zu wecken. In der Anmoderation wurde auf die von der SPD-Fraktion einberufene „Bürgerversammlung“ hingewiesen, mit dem Hinweis, dass sich die Bürger hier von den Befürwortern und Gegnern der neuen K3575 die Argumente anhören könnten und reichlich Gelegenheit zur Diskussion bestände. Noch am Nachmittag wurde der Beitrag gesendet. Am selben Abend erschien als I-Tüpfelchen das Wochenblatt, mit dem Interview auf der ersten Seite.

Mittwochabend fand dann die von der SPD anberaumte „Bürgerversammlung“, die ja eigentlich Sache unserer Gemeinde hätte sein müssen, statt. In der gut besuchten Ohrenberghalle waren auf dem Podium Vertreter des Landratsamts (Patrick Bohner und Björn Gärtner), Kreisräte aus den Fraktionen der CDU (Manfred Sickinger), Freien Wähler (Rolf Müller), SPD (Bernhard de Bortoli) und für die Grünen (Felix Harling), sowie von den B3-Anwohnern Herr Peter Callsen-Cencic und den Kritikern Herr Georg Henneges. Moderiert wurde die Diskussion von Herrn Werner Henn (SPD), da sich die SPD-Fraktion wohl bewusst zurückhalten wollte. Gemeinderat Hans Schindler begrüßte die Anwesenden und sprach die Schlussworte.

Neben den bekannten Standpunkten, die zur Planung der Umgehungsstraße führten, sprachen interessanterweise die Befürworter immer wieder von der Doppelfunktion der K3575neu – nämlich einer Ersatz-B3 und Entlastungsstrecke für die Autobahn. Für die B3-Anwohner wurde sehr emotional die Umgehung gefordert, leider mit Zahlen, die nirgends erläutert wurden und ohne echten Bezug auf die Planungsunterlagen.

Von unserer Seite wurde demgegenüber versucht, sachlich und neutral zu bleiben und an wenigen Beispielen, die veralteten Ergebnisse der allem zugrundeliegenden Verkehrbefragungen aus dem Jahr 1985 (sic!) und den Stichproben aus 2000, sowie den mehrfach korrigierten und auf 2025 extrapolierten Verkehrszählungen deutlich zu machen. Wie sich aus 25 Jahre alten Daten mit ganz anderen Verkehrsströmen (es gab noch keine K3575 südlich von Stettfeld, keinen Anschluss an die Autobahn bei Bruchsal, keine Nordumgehung Bruchsal, keinen ALDI und keinen Dr.-Alfred-Weckesser-Anschluss an die L555 (Verbindung Östringen-Kronau-Autobahn), keine LKW-Maut usw…) die Verkehrsprognosen für 2025 errechnet werden, ist unwissenschaftlich, da nicht nachvollziehbar. Auf diesen Zahlen beruhen aber alle anderen Gutachten – die Schalltechnische Untersuchung (Lärm), das Gutachten zur Luftschadstoffbelastung (Feinstaub und schädliche Gase) und die Umweltverträglichkeitsstudie. Alle stehen und fallen mit den prognostizierten Verkehrszahlen.

Nirgends werden verständliche Daten zum „hausgemachten“ Ziel-und Quellverkehr abgeleitet, die sich eben nicht durch eine Umgehungsstraße ändern werden. Für Bad Schönborn wurden von Professor Heiner Monheim im Sommer 70-80% des Verkehrs an der B3 als hausgemacht – also nicht beeinflussbar – geschätzt. Dies wird durch die aktuellen Ergebnisse der Untersuchungen in Östringen bestätigt, wo 58% des PKW und 54% des LKW-Verkehrs hausgemacht sind. Da Langenbrücken, Mingolsheim und Kronau im Nahbereich viel mehr hausgemachten Ziel- und Quellverkehr haben, sind unsere Abschätzungen sicher realistisch: die Umgehungsstraße würde also nur wenig an der B3 bewirken, aber eine Zäsur für Jahrzehnte sein.

Die Natur zwischen Bad Schönborn und Kronau würde unwiederbringlich zerschnitten, Naherholungsgebiete unzugänglich gemacht und es würden sehr viele Bürger aus den Gemeinden zusätzlich mit Lärm und Luftschadstoffen belastet werden. Georg Henneges plädierte daher dafür, noch mal innezuhalten und das für und wider in Ruhe zu diskutieren, wenn aktuelle Verkehrsprognosen aus Verkehrsbefragungen- und zählungen, wie in Östringen geschehen, vorliegen. Er forderte die Gemeinderäte auf, sich über die 35 Forderungen, die im November 2000 an die Planungsbehörde gingen, zu informieren und gewissenhaft zu prüfen, ob sie mit den zwei bis heute erfüllten Forderungen von 35 zufrieden wären und vor ihre Wähler treten könnten. Dazu kommentierte Kreisrat und Bürgermeister Rolf Müller, dass es 14 erfüllte Forderungen gäbe. Welche das sind, erzählte er den Bürgern aber nicht. Transparenz und Bürgernähe sehen anders aus.

In den anschließenden Diskussionen wurde deutlich, dass die Mehrheit der Anwesenden die Nachteile der geplanten K3575neu sehr sorgt. Alle Fragen aus dem Publikum drehten sich um die zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen und die Sorge um die Naturzerstörung. Um 23h30 schloss Gemeinderat Hans Schindler diese wichtige Bürgerversammlung.

Bad Schönborner Besonderheit VI: “unerträglicher Lärm” oder “zumutbare Belastung”

Samstag, November 13th, 2010

Die Pro AG hat es auf der Bürgerversammlung der SPD Bad Schönborn immer wieder verdeutlicht: der Lärm sei unerträglich.
Interessanterweise hat Bürgermeister Rolf Müller dazu keine Stellung genommen. Die Lärmwerte, die die Pro AG vorgestellt hat, liegen aber über den Richtwerten von 70 dB(A) zwischen 6.00 Uhr und 22.00 Uhr (tags) und 60 dB(A) zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr (nachts). Beim Überschreiten dieser Richtwerte besteht eine Prüfungspflicht, d.h. die Straßenverkehrsbehörde muss prüfen, welche verkehrsbeschränkenden Maßnahmen möglich sind, welche Auswirkungen sie haben (z.B. Verkehrsverlagerungen oder -behinderungen) und diese abwägen mit den Gesundheitsinteressen der Anwohner.
Noch interessanter ist aber die Antwort des Regierungspräsidiums Karlsruhe – auf die Antwort des Bürgermeisters warten wir noch – auf unsere Fragen zur Vollsperrung Östringen und dem damit verbundenen erheblichen Mehrverkehr der vergangenen Wochen (rund 20.000 Fahrzeuge pro Tag statt 13.000 Kfz sonst):

“… Die Umleitungsstrecken wurden mit den zuständigen Behörden wie beispielsweise dem Landratsamt und der Polizei sowie mit der Gemeinde Bad Schönborn und der Stadt Östringen abgestimmt. Es kann davon ausgegangen werden, dass klassifizierte Straßen jederzeit geeignet sind, zumindest baustellenbedingten, kurzzeitigen Mehrverkehr aufzunehmen.
Verkehrsuntersuchungen über mögliche Verlagerungen bei zeitlich eng begrenzten Umleitungen sind deshalb nicht vorgesehen. Zur Information der Bevölkerung wurde vom Regierungspräsidium Karlsruhe eine Pressemitteilung veröffentlicht.
Hinsichtlich der von Ihnen angesprochenen Maßnahmen zur Verkehrssteuerung können wir Ihnen mitteilen, dass uns keine weiteren Informationen über unverhältnismäßig schlechte Verkehrszustände bekannt und somit derzeit keine Eingriff in den Verkehrsablauf geplant sind.
Insgesamt kann somit davon ausgegangen werden, dass sich für einen überschaubaren Zeitraum die Mehrbelastungen aus dem möglichen Umleitungsverkehr in einem zumutbaren Rahmen bewegen. …” Aus der Antwort des Regierungspräsidiums Karlsruhe

D.h. das Regierungspräsidium Karlsruhe hält den aktuell durch die Vollsperrung deutlich erhöhten Verkehr (rund 20.000 Kfz pro Tag) für zumutbar. Zudem verfügt das Regierungspräsidium Karlsruhe nicht über Informationen zu unverhältnismäßig schlechten Verkehrszuständen; d.h. weder die Gemeinde Bad Schönborn noch die Anwohner haben den verantwortlichen Behörden die Verkehrszustände gemeldet, die uns auf den Folien der Pro AG präsentiert wurden…

Bad Schönborner Besonderheit IV: Tausende von Anwohner an der B3

Samstag, November 13th, 2010

Die Pro AG hat “Zahlen und Fakten” versprochen. Seltsam nur, dass bei der Bürgerversammlung auf den Folien der Pro AG ständig von “Tausenden von Anwohnern” der B3 die Rede war. Dies bei einer Bevölkerung von 12.508 Einwohnern…
Im übrigen fehlt immer noch die Antwort von Hans Müller, wie er darauf kommt, dass 61% des Verkehrs (also rund 8.000 Kfz pro Tag) überregionaler Durchgangsverkehr sei. Selbst Herr Bohnert vom Landratsamt hat in seiner Präsentation klar gestellt: die B3 sei keine Fernstraße mehr. Der Verkehr auf der B3 sei regional.
Und die Gemeinde sollte bitte die Bevölkerungszahl auf ihren Internetseiten aktualisieren (12.092 Einwohner ist der Wert von 2005).

Bad Schönborner Besonderheit III: angeblich 61% überregionaler Verkehr auf der B3

Montag, November 1st, 2010

Interessantes war am letzten Donnerstag in Bad Schönborn Aktuell zu lesen:

“13.000 Fahrzeuge rollen derzeit täglich durch unsere Ortsmitte. Davon sind 61% überregionaler Verkehr, der unseren Ort passiert, weil es keine Umfahrungsmöglichkeit gibt!”

Die Frage ist, woher hat Hans Müller diese Angabe zum Anteil des überregionalen Verkehrs? Die letzte umfassende Verkehrszählung wurde in Bad Schönborn am 11. April 2000 durchgeführt. Die letzte umfassende Verkehrsbefragung datiert sogar von 1985… Der überregionale Verkehr ist der Verkehr, der nicht aus unserer Region stammt: Mehr als jedes zweite Fahrzeug, dass am Haus von Hans Müller in Mingolsheim vorbeiführt, soll also aus z.B. Karlsruhe, Speyer, Mannheim oder noch weiter her kommen? Auf welche Verkehrsuntersuchung beziehen Sie sich Herr Müller?
Zur ersten Zahl: Die rund 13.000 Kfz/Tag (geschätzte Zahl auf Basis der bundesweiten Strassenzählung von 2005 und der Verkehrsentwicklung seit 2005) auf der B3 in Bad Schönborn sind ein Wert, der unter dem Durchschnitt von 13.720 Kfz/Tag für alle Bundesstraßen in Baden-Württemberg (Quelle) liegt. Auch viele Straßen durch Wohnquartiere in Städten weisen Verkehrsströme auf, die weitaus höher sind.

Bad Schönborner Besonderheit I: 70% mehr Verkehr – Grünampel-Phase bleibt gleich…

Samstag, Oktober 30th, 2010


Unglaublich, aber leider wahr: dem Regierungspräsidium Karlsruhe, dem Landkreis Karlsruhe-Land oder der Gemeinde Bad Schönborn ist es nicht einmal eingefallen, die Grünphase an der Ampel B3 Rochuskapelle in Nord-Süd-Richtung zu verlängern. Die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Östringen führt dazu, dass 7.500 Fahrzeuge, die sonst auf der Strecke Östringen – Angelbachtal fahren, z.Z. (voraussichtlich bis 7. November) in Nord-Süd Richtung auf der B3 in Mingolsheim durchfahren.
Die Grün-Ampelphase ist aber wie eh und je auf 40 Sekunden eingestellt…
Das ist auch die von den Bürgern erlebte Verkehrsplanungs-Realität im Landkreis…
Auf Antworten des Bürgermeisters und des zuständigen Abteilungsdirektors zu unseren Fragen zur Vollsperrung warten wir noch.

Volles Haus beim Info-Abend

Mittwoch, Oktober 27th, 2010

Die uns in den letzten Tagen am häufigsten gestellte Frage “Ab wann stehen die Muster-Einwendungen zum Runterladen bereit?” möchten wir gleich vorneweg beantworten:
Das Aktionsbündnis strebt an, diese ab dem Zeitpunkt der Bürgerversammlung (organisiert von der SPD Bad Schönborn am 10. November) bereit zu stellen. Dann verbleiben immer noch drei Wochen um die Einwendung auf die eigene Situation anzupassen und zu versenden.

Für die rund 100 interessierten Bürger wurden folgende Punkte beleuchtet:

  1. der Verlauf der Trasse und die vorgenommenen Änderungen. Für die Einwohner von Langenbrücken und Mingolsheim sind die vorgesehenen Anschlussmöglichkeiten eine Einladung weiterhin oder gar verstärkt (für Langenbrücken) die B3 zu nutzen.
  2. die Einzelgutachten, wobei insbesondere das Verkehrsgutachten auf ein Zahlenmaterial baut, das 1) alt ist und 2) unvollständig ist. Auf diese hochgerechneten Zahlen bauen das Schallgutachten und das Umweltverträglichkeitsgutachten auf. Interessant ist auch, dass Wohngebiete gezielt aus dem Untersuchungsbereich ausgeklammert wurden.
  3. den Umgang mit den bisherigen Einwendungen. Die Erfahrungen aus dem letzten Erörterungstermin lassen nichts Gutes für das aktuelle Verfahren erahnen. Wichtige Änderungswünsche des Gemeinderats von Bad Schönborn sind zudem nicht umgesetzt worden.
  4. die aktuellen Möglichkeiten für Alt- und Neueinwender noch Einfluss die Planung zu nehmen. Dazu wird das Aktionsbündnis Mustereinwendungen auf diesen Seiten publizieren.
  5. die ersten fünf Anträge, die das Aktionsbündnis gemeinsam mit den drei Gemeinderatsfraktionen für die möglichst rasche Verbesserung der Lebensqualität der Anwohner der B3 und der anderen Hauptstraßen umgesetzt sehen möchte.

In den nächsten Tagen wird auf diese einzelnen Punkte näher eingegangen.
Das Aktionsbündnis (AHNU, IG Umgehungsstraße und Bündnis 90 / Die Grünen) bedankt sich bei allen Teilnehmern für die Teilnahme, den Helfern im Hintergrund für die tatkräftige Unterstützung und dem Kursaalverein für die Gastfreundschaft. Eine bürgernähere Planung würden sich in Bad Schönborn viele wünschen.