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Aufruf der Teilnehmer an die Politiker und Verwaltung: bitte wenden!

Sonntag, Juli 25th, 2010

Das Interesse an der Lösung unserer Verkehrsprobleme ist weiter hoch. Dieses Mal war der Kursaal Siegel in Langenbrücken voll mit interessierten Bürgern aus Bad Schönborn und den umliegenden Gemeinden. Viele Gemeinderäte und einige Kreisräte waren ebenfalls anwesend.

Professor Heiner Monheim hat mit seiner langjährige Erfahrung als Verkehrspraktiker einen erfrischenden Blick von außen auf Bad Schönborn und unsere Region geworfen.

Folgende Punkte wurden u.a. angesprochen und sachlich diskutiert:

  • Er hat herausgestellt, dass Kurorte seit jeher Vorreiter in Sachen Verkehrsinnovationen seien. Bad Schönborn hat hier ein Potenzial, das bislang noch kaum genutzt wird. Unsere Entscheidungsträger müssten bitte über den Tellerrand hinausschauen und aktuelle Trends bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.
  • Er hat mit dem Märchen aufgeräumt, dass eine Verkehrsberuhigung auf Hauptstraßen zwingend eine Ortsumgehung voraussetzt. Wer auf eine schnelle Entlastung hofft, setzt nicht auf die Karte Ortsumgehung. Zumal viele Ortsumgehungen nicht die angestrebte Wirkung erbracht haben und viele Gemeinden mit Ortsumgehungen weiter auf die Verkehrsberuhigungsmaßnahmen warten.
  • Eine Verdoppelung des Radverkehrs – wie vom Landkreis angestrebt – lässt sich mit einfachen Mitteln erreichen. Viele Gemeinden in Deutschland haben hier schon vorgelegt. Deren Umsetzungsbeispiele können kopiert werden.
  • Das Busnetz in Bad Schönborn und Umgebung sei deutlich verbesserungsfähig. Auch hierfür gibt es Beispiele, wo Kommunen den Busverkehr in drei Jahren verzehnfacht haben.
  • Bad Schönborn ist einzigartig. Wer auf unseren Hauptstraßen unterwegs ist, soll sich auch als Gast benehmen. Unsere Straßen sollen maßgeschneidert nach den Interessen der Einwohner und Gäste Bad Schönborns gestaltet werden und nicht wie bisher den 10 – 20% Durchgangsverkehr geopfert werden.
  • Verkehrsplanung ohne eine aktuelle Verkehrszählung unter Berücksichtigung aller Verkehrsmittel und Verkehrsströme sei ein Witz. Eine Kombination aus Zählung durch Schüler und automatischen Zählstationen liefere kostengünstig und in kurzer Zeit die notwendigen Ergebnisse.
  • Diese Verkehrszählung ist gleichzeitig die Basis für ein integriertes und zukunftsfähiges Verkehrskonzept. Antiquierte Straßenplanung rein für die Interessen des LKW- und PKW-Durchgangsverkehrs gehöre zurück in die Schublade.
  • Für viele Anwesenden ist auch der Anspruch an die Vernunft d.h. erst einmal mit 2-3 Millionen schnell Ergebnisse in der Verkehrsberuhigung zu erzielen, anstatt 30 und mehr Millionen für eine Straße zu verbauen, die wahrscheinlich gar nicht so viel bringt, sehr gut angekommen. Die Kassen des Landes, des Landkreises und der Gemeinden sind ja alles andere als voll.

Ein Anwohner der B3 hat den Abend treffend zusammengefasst:

Ich habe das Gefühl, dass das Thema Umgehungsstraße seit 20 Jahren auf der Stelle tritt. Heute Abend habe ich zum ersten Mal neue Worte gehört. Was können wir tun, damit Sie uns weiter unterstützen?

Professor Heiner Monheim, der in Heidelberg aufgewachsen ist, hat dazu folgende Angebote unterbreitet:

  • Durchführen eines eintägigen Workshops mit den Entscheidungsträgern der Gemeinde bzw. der Region (z.B. im Rahmen des Strategieprozesses Bad Schönborn)
  • Vermitteln von Kontakten zu Experten, die vor Ort mit der Bevölkerung, dem Gemeinderat und der Verwaltung die notwendigen Konzepte erarbeiten und umsetzen lassen können (z.B. auch Finanzierungsfragen klären)
  • Vermitteln in den Verhandlungen mit der Verkehrsministerin (z.B. um ein Modellprojekt durchzuführen)

Fazit: ein gelungener Abend, der auch vielen die bislang skeptisch zum Anliegen des Aktionsbündnisses standen, gezeigt hat, Alternativen sind möglich, schneller und kostengünstiger umsetzbar.

Das Aktionsbündnis www.K3575-Initiative.de wird die Sommerpause dazu nutzen, die Aktivitäten für das zweite Halbjahr zu planen. Wir werden auch nach und nach über einzelne Punkte, die Professor Monheim vorgestellt hat, näher eingehen.

Besten Dank noch einmal an alle Teilnehmer und Helfer der bisherigen Infoveranstaltungen!

Ernüchterndes Ergebnis einer Verkehrszählung

Montag, Juli 12th, 2010

Die BNN berichtet über das Ergebnis einer umfangreichen Verkehrszählung an der L 555 in Rheinsheim. Das Ergebnis: 83 Prozent der Lkw waren Zielverkehr und lediglich 17 Prozent waren auf der Durchfahrt. Der Gemeinderat und der Bürgermeister von Rheinsheim zeigten sich überrascht vom Ergebnis. Subjektiv seien die Anwohner von einem deutlich höheren Anteil an Lkw-Durchgangsverkehr ausgegangen.

Dieses Beispiel zeigt: ohne Fakten ist keine Verkehrsplanung möglich. Das Ergreifen von Maßnahmen wie Lkw-Durchfahrtsverbot setzt ebenfalls eine hieb- und stichfeste Verkehrszählung voraus.

In Bad Schönborn hat die Gemeinde immer noch keine derartige Verkehrszählung durchgeführt – selbst nachdem im Jahr 2005 860 Bürger per Unterschrift Maßnahmen gegen den Lkw-Durchfahrtsverkehr von der Gemeinde gefordert hatten, wurden die Unterschriften lediglich weitergeleitet.

Straße im Angebot: Niemand will die L 560

Mittwoch, Juni 30th, 2010

So titelt heute die BNN einen Artikel zum Stand der Verhandlungen zwischen dem Land und dem Landkreis bzw. der Gemeinde Stutensee.

Der Artikel verdeutlich sehr schön wie es um den Unterhalt unserer Straßen steht: schlecht. Der Regierungspräsident “verwies auf fehlende Mittel und darauf, dass die L 560 beileibe nicht die einzige Landesstraße sei, die für den Lkw-Verkehr habe gesperrt werden müssen.” Gerade mal eine Million Euro steht dem Landkreis Karlsruhe für die Sanierung von Landesstraßen zur Verfügung.

Wochenblatt titelt: Protest gegen die Ortsumgehung

Dienstag, Februar 16th, 2010

Das Wochenblatt Bad Schönborn, Kronau, Östringen, Malsch berichtet heute als Aufhänger über das Projekt zur “Ortsumgehung Bad Schönborn”.
Der Landrat Dr. Christoph Schnaudigl ist fest entschlossen das Projekt durchzuziehen. Dito gilt für Bad Schönborns Bürgermeister Rolf Müller, der von einem Baubeginn im Jahr 2013 spricht.
Interessant ist, dass Dr. Christoph Schnaudigl die (versprochene) Entlastung in den Ortsdurchfahrten lediglich gegenüber dem (sicheren) Eingriff in die Natur abwägen will. Dass eine Ortsumgehung – die ja keine ist, da die neue K3575 v.a. überörtlichen Verkehr anziehen wird – lediglich EINE mögliche – und dabei sehr kostspielige und langsame – Maßnahme für mehr Ruhe und Lebensqualität in der Ortsdurchfahrt ist, wird verschwiegen. Denn sonst müssten die politischen Entscheidungsträger ja dem Problem Verkehr auf den Grund gehen…