Kommunalpolitik

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Volles Haus beim Info-Abend

Mittwoch, Oktober 27th, 2010

Die uns in den letzten Tagen am häufigsten gestellte Frage “Ab wann stehen die Muster-Einwendungen zum Runterladen bereit?” möchten wir gleich vorneweg beantworten:
Das Aktionsbündnis strebt an, diese ab dem Zeitpunkt der Bürgerversammlung (organisiert von der SPD Bad Schönborn am 10. November) bereit zu stellen. Dann verbleiben immer noch drei Wochen um die Einwendung auf die eigene Situation anzupassen und zu versenden.

Für die rund 100 interessierten Bürger wurden folgende Punkte beleuchtet:

  1. der Verlauf der Trasse und die vorgenommenen Änderungen. Für die Einwohner von Langenbrücken und Mingolsheim sind die vorgesehenen Anschlussmöglichkeiten eine Einladung weiterhin oder gar verstärkt (für Langenbrücken) die B3 zu nutzen.
  2. die Einzelgutachten, wobei insbesondere das Verkehrsgutachten auf ein Zahlenmaterial baut, das 1) alt ist und 2) unvollständig ist. Auf diese hochgerechneten Zahlen bauen das Schallgutachten und das Umweltverträglichkeitsgutachten auf. Interessant ist auch, dass Wohngebiete gezielt aus dem Untersuchungsbereich ausgeklammert wurden.
  3. den Umgang mit den bisherigen Einwendungen. Die Erfahrungen aus dem letzten Erörterungstermin lassen nichts Gutes für das aktuelle Verfahren erahnen. Wichtige Änderungswünsche des Gemeinderats von Bad Schönborn sind zudem nicht umgesetzt worden.
  4. die aktuellen Möglichkeiten für Alt- und Neueinwender noch Einfluss die Planung zu nehmen. Dazu wird das Aktionsbündnis Mustereinwendungen auf diesen Seiten publizieren.
  5. die ersten fünf Anträge, die das Aktionsbündnis gemeinsam mit den drei Gemeinderatsfraktionen für die möglichst rasche Verbesserung der Lebensqualität der Anwohner der B3 und der anderen Hauptstraßen umgesetzt sehen möchte.

In den nächsten Tagen wird auf diese einzelnen Punkte näher eingegangen.
Das Aktionsbündnis (AHNU, IG Umgehungsstraße und Bündnis 90 / Die Grünen) bedankt sich bei allen Teilnehmern für die Teilnahme, den Helfern im Hintergrund für die tatkräftige Unterstützung und dem Kursaalverein für die Gastfreundschaft. Eine bürgernähere Planung würden sich in Bad Schönborn viele wünschen.

Mehr Transparenz bitte!

Dienstag, Oktober 19th, 2010


Es ist schon erstaunlich, dass – selbst nach den jüngsten Erfahrungen von Stuttgart 21 – die Entscheidungsträger in der Gemeinde und im Landkreis die Bürger nicht direkt über das 30-Millionen-Projekt informieren wollen.

Da es sich zudem nicht jedermann “leisten” kann, während den Dienststunden der Verwaltung Akten (320 Seiten + CD) zu wälzen, hat sich das Aktionsbündnis www.K3575-Initiative.de entschieden einen Informationsabend durchzuführen.

An diesem Abend werden die folgenden Themen angesprochen:

  • Was steht Neues in den Planungsunterlagen?
  • Wie kann sich der Bürger am Planfeststellungsverfahren beteiligen?
  • Welche Alternativen sind vorhanden?

BNN titelt: Straßenbau muss differenzieren lernen

Freitag, Juli 30th, 2010

Ungekürzter Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redakteurin Alexandra Paul (BNN). Die Rechte an diesem Text liegen bei Alexandra Paul (BNN).

Höher, schneller, weiter, billiger – so die verkehrspolitische Maxime der vergangenen Jahrzehnte, als Sprit noch günstig, der Autoverkehr am Wachsen und die öffentlichen Mittel großzügiger bemessen waren. „Wir stehen angesichts einer Verknappung der Ressourcen an einer Zeitwende“, erklärt Prof. Dr. Heiner Monheim von der Universität Trier, der am 22.07. im Rahmen einer Infoveranstaltung der K3575-Initiative im überfüllten historischen Kursaal in Langenbrücken referierte.

Als Referatsleiter für Stadtverkehr im Landesministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen konnte er durch verkehrsberuhigenden Umbau von ca. 1600 Straßen ebenso viele Ortsumgehungen verhindern und kennt seine Pappenheimer unter den Städteplanern. „Oft sitzen da Betonköpfe, denen man Feuer unter dem Hintern machen muss“ so Monheims Erfahrungen.

Seine Alternativen zur geplanten Ortsumgehung zielen in erster Linie auf einen umfassenden Ausbau des ÖPNV – insbesondere des Busverkehrs – , eine deutliche Attraktivitätserhöhung des Fahrrades und eine Verengung und Verlangsamung des innerörtlichen Verkehrs ab. „Wenn Sie den Gürtel enger schnallen, hören die auf zu fressen!“ Mit provokanten Aussagen geizt Prof. Dr. Monheim nicht an diesem Abend.

Weniger plakativ ausgedrückt: Sobald die Ortsdurchfahrtswege zugunsten der Fußgänger, Radfahrer und Baumbestände deutlich verengt werden, überlegen es sich vor allem Lkw-Fahrer, ob sie sich durch ein solches Nadelöhr quälen möchten. Auch eine drastische Verlangsamung des Verkehrs auf 20 bis 30 km/h trägt zur Beruhigung bei. Da sich Lärm logarithmisch vermehrt, ist ein Lkw bei Tempo 50 doppelt so laut wie bei Tempo 30. Rast er mit 70 Stundenkilometern durch den Ort vervielfacht sich der Wert und die Schadensbilanz entspricht der von 10 Lkws.

Monheims Eindruck vom ÖPNV nach Begehung der drei Orte Langenbrücken, Mingolsheim und Kronau: „Ich bin erschüttert, wie extrem unterentwickelt der Busverkehr bei gleichzeitig relativ gutem S-Bahnnetz ist“. Eine Verzehnfachung der Haltestellen bei deutlicher Erhöhung der Taktfrequenz und der Einsatz kleiner Busse in Zusammenarbeit mit bereits agierenden lokal organisierten Systemen erhöhe signifikant die Chance, dass das Auto in der Garage bleibe. „Der öffentliche Verkehr braucht Stadtbusqualität.

Monheims Schätzungen zufolge belaufen sich rund 70% des Autoverkehrs in den drei Ortschaften auf Binnenverkehr, der durch Wegstrecken zwischen 1 bis 3 km gekennzeichnet ist. Betrachtet man den Quellverkehr innerhalb eines 10km-Kreises, dann reduziert sich die Zahl bereits deutlich und nur noch rund 10% machen den eigentlichen Durchgangsverkehr über 10 km aus. „Autoverkehr ist überwiegend hausgemacht“, so das Fazit des Experten.

Wo eingeschossige Discounter in energetisch verschwenderischer Bauweise auf der grünen Wiese die Bevölkerung zum Auto als Mittel der Wahl zwingen, da könne man sich nicht über den Verkehr wundern. Mit einer Verkürzung der Einkaufswege durch mehrgeschossige Bauweise wie in Großstädten teilweise bereits üblich und Bushaltestellen direkt an den Einkaufszentren gebe man dem ÖPNV eine realistische Chance. „Wer sich im öffentlichen Verkehr nicht engagiert, kann nicht gewinnen“, so die Prognose Prof. Dr. Monheims.

Lobend erwähnte er die örtliche Beschilderung für Radfahrer. Allerdings könne die nicht optimal genutzt werden, wenn es kaum radfahrbezogene Infrastruktur gibt. Sein Tipp: die Anschaffung von 100 öffentlichen Pedelecs pro Ort sowie eine großangelegte Radfahrkampagne anstatt noch jahrelang auf eine Ortsumgehung zu warten, deren Kosten seinen Erfahrungen zufolge bei veranschlagten 30 Mio € mit schätzungsweise 40 Mio € explodieren werden – wenn sie denn jemals kommt.

Ziel einer jeden Umgehung ist in erster Linie eine Beruhigung der innerörtlichen Verkehrssituation. Monheims langjährige Erfahrungen in der Praxis belegen, dass Ziel und Ergebnis in diesem Fall so gut wie nie übereinstimmen. Sind Ortsumgehungen da, werden die Orte nicht weniger durchfahren. Wie auch, wenn sich 2/3 der Fahrten innerhalb der Zentren abspielen. Als Gewinner zukunftsweisender Infrastrukturprogramme werden Kommunen hervorgehen, deren Vertreter sich selbstbewusst und mutig mit neuen Ideen auseinandersetzen.

Für die vorgelegten Umgehungspläne gäbe es für seine Studenten eine 6 minus, da sie völlig veraltet und an der Landschaft vorbei geplant seien. „Eine Straße muss sich nach den örtlichen Gegebenheiten richten“, so Monheims oberster Lehrsatz, den seine Studenten bereits im ersten Semester mitbekommen. Und gerade Kurorte hätten die Pflicht, Gesundheit, Menschen und das Potential der Natur sehr ernst zu nehmen. Viele Ideen, wenig kommunale Mittel und noch weniger Trost für all diejenigen, die von der Situation direkt betroffen sind. Doch Monheim macht klar, dass sich Diskussionen dieser Art jahrzehntelang hinziehen.

Er verordnet den Verantwortlichen ein qualifiziertes Moratorium, um die komplette Planung nochmals gründlich zu überdenken und eine Stufenfolge festzulegen. Was kann wie schnell realisiert werden? Monheims Tipp: „Holen Sie sich Experten in die Gemeinderatssitzungen und Sie haben in ca. 5 Jahren bezahlbare Lösungen.“ Sollte die Ortsumgehung dann genehmigt sein, kann man sich immer noch überlegen, ob sie überhaupt noch benötigt wird.

Da Gutachten als Trendfortschreibungen aus dem letzten Jahrtausend völlig obsolet sind, empfiehlt er finanzschwachen Gemeinden, die Rekrutierung qualifizierter Studenten, die solche Gutachten zur aktuellen Quell- und Zielverkehrssituation sowie alternative Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung innerhalb umfangreicher Studienarbeiten erbringen können.

Mit max. 10% der Kosten für eine Ortsumgehung können diese Vorschläge dann sukzessive landschaftsintegriert umgesetzt werden. Jede noch so kleine Aktion ist mehr, als mit endlos geführten Diskussionen bisher erreicht werden konnte. Wermutstropfen ist und bleibt allein die Tatsache, dass Kommunen die Kosten für innerörtliche Verkehrsberuhigung selbst aufbringen müssen, während aus Bundesmitteln finanzierte Milliarden für Umgehungen im Gemeindehaushalt kostenneutral bleiben.

Aufruf der Teilnehmer an die Politiker und Verwaltung: bitte wenden!

Sonntag, Juli 25th, 2010

Das Interesse an der Lösung unserer Verkehrsprobleme ist weiter hoch. Dieses Mal war der Kursaal Siegel in Langenbrücken voll mit interessierten Bürgern aus Bad Schönborn und den umliegenden Gemeinden. Viele Gemeinderäte und einige Kreisräte waren ebenfalls anwesend.

Professor Heiner Monheim hat mit seiner langjährige Erfahrung als Verkehrspraktiker einen erfrischenden Blick von außen auf Bad Schönborn und unsere Region geworfen.

Folgende Punkte wurden u.a. angesprochen und sachlich diskutiert:

  • Er hat herausgestellt, dass Kurorte seit jeher Vorreiter in Sachen Verkehrsinnovationen seien. Bad Schönborn hat hier ein Potenzial, das bislang noch kaum genutzt wird. Unsere Entscheidungsträger müssten bitte über den Tellerrand hinausschauen und aktuelle Trends bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.
  • Er hat mit dem Märchen aufgeräumt, dass eine Verkehrsberuhigung auf Hauptstraßen zwingend eine Ortsumgehung voraussetzt. Wer auf eine schnelle Entlastung hofft, setzt nicht auf die Karte Ortsumgehung. Zumal viele Ortsumgehungen nicht die angestrebte Wirkung erbracht haben und viele Gemeinden mit Ortsumgehungen weiter auf die Verkehrsberuhigungsmaßnahmen warten.
  • Eine Verdoppelung des Radverkehrs – wie vom Landkreis angestrebt – lässt sich mit einfachen Mitteln erreichen. Viele Gemeinden in Deutschland haben hier schon vorgelegt. Deren Umsetzungsbeispiele können kopiert werden.
  • Das Busnetz in Bad Schönborn und Umgebung sei deutlich verbesserungsfähig. Auch hierfür gibt es Beispiele, wo Kommunen den Busverkehr in drei Jahren verzehnfacht haben.
  • Bad Schönborn ist einzigartig. Wer auf unseren Hauptstraßen unterwegs ist, soll sich auch als Gast benehmen. Unsere Straßen sollen maßgeschneidert nach den Interessen der Einwohner und Gäste Bad Schönborns gestaltet werden und nicht wie bisher den 10 – 20% Durchgangsverkehr geopfert werden.
  • Verkehrsplanung ohne eine aktuelle Verkehrszählung unter Berücksichtigung aller Verkehrsmittel und Verkehrsströme sei ein Witz. Eine Kombination aus Zählung durch Schüler und automatischen Zählstationen liefere kostengünstig und in kurzer Zeit die notwendigen Ergebnisse.
  • Diese Verkehrszählung ist gleichzeitig die Basis für ein integriertes und zukunftsfähiges Verkehrskonzept. Antiquierte Straßenplanung rein für die Interessen des LKW- und PKW-Durchgangsverkehrs gehöre zurück in die Schublade.
  • Für viele Anwesenden ist auch der Anspruch an die Vernunft d.h. erst einmal mit 2-3 Millionen schnell Ergebnisse in der Verkehrsberuhigung zu erzielen, anstatt 30 und mehr Millionen für eine Straße zu verbauen, die wahrscheinlich gar nicht so viel bringt, sehr gut angekommen. Die Kassen des Landes, des Landkreises und der Gemeinden sind ja alles andere als voll.

Ein Anwohner der B3 hat den Abend treffend zusammengefasst:

Ich habe das Gefühl, dass das Thema Umgehungsstraße seit 20 Jahren auf der Stelle tritt. Heute Abend habe ich zum ersten Mal neue Worte gehört. Was können wir tun, damit Sie uns weiter unterstützen?

Professor Heiner Monheim, der in Heidelberg aufgewachsen ist, hat dazu folgende Angebote unterbreitet:

  • Durchführen eines eintägigen Workshops mit den Entscheidungsträgern der Gemeinde bzw. der Region (z.B. im Rahmen des Strategieprozesses Bad Schönborn)
  • Vermitteln von Kontakten zu Experten, die vor Ort mit der Bevölkerung, dem Gemeinderat und der Verwaltung die notwendigen Konzepte erarbeiten und umsetzen lassen können (z.B. auch Finanzierungsfragen klären)
  • Vermitteln in den Verhandlungen mit der Verkehrsministerin (z.B. um ein Modellprojekt durchzuführen)

Fazit: ein gelungener Abend, der auch vielen die bislang skeptisch zum Anliegen des Aktionsbündnisses standen, gezeigt hat, Alternativen sind möglich, schneller und kostengünstiger umsetzbar.

Das Aktionsbündnis www.K3575-Initiative.de wird die Sommerpause dazu nutzen, die Aktivitäten für das zweite Halbjahr zu planen. Wir werden auch nach und nach über einzelne Punkte, die Professor Monheim vorgestellt hat, näher eingehen.

Besten Dank noch einmal an alle Teilnehmer und Helfer der bisherigen Infoveranstaltungen!

Infoabend mit Prof. Heiner Monheim

Sonntag, Juli 11th, 2010


Das Aktionsbündnis www.K3575-Initiative lädt alle interessierten Bürger aus Bad Schönborn und den umliegenden Gemeinden zu einem Informationsabend am 22. Juli um 20 Uhr im Kursaal Siegel zu Alternativen zu Ortsumgehungen. Ein innovativer Umgang mit Mobilität bietet viele Chancen, gerade in Zeiten von knappen Kassen.

Bitte das Flugblatt oder den Link zu diesem Artikel an Bekannte, Freunde, Vereinskollegen, Gemeinderäte, Kreisräte, Verkehrsbehörden u.a. weiterleiten.

Wer ist Prof. Heiner Monheim?
Seit 1995 ist er Professor für Angewandte Geografie, Raumentwicklung und Landesplanung an der Universität Trier.
Er setzt sich für umweltfreundliche Verkehrskonzepte und Planungen ein. Er ist Kritiker der Massenmotorisierung und erarbeitet umfassende Konzepte zur Förderung des öffentlichen Verkehrs. Prof. Monheim leistet damit entscheidende Beiträge für einen anderen Umgang mit Mobilität. Er kritisiert die extremen Folgekosten autofixierter Planungspolitik. Prof. Monheim gehört zu den profiliertesten Verkehrswissenschaftlern in Deutschland.

Lärmaktionsplanung für Bad Schönborn – Wann?

Donnerstag, April 15th, 2010


Lärm plagt viele Einwohner – insbesondere entlang der Hauptverkehrswege – so auch in Bad Schönborn.

Die EU-Umgebungslärmrichtlinie will diese Plage bekämpfen und wurde im Juni 2005 in deutsches Recht umgesetzt. Bad Schönborn ist davon auch betroffen, weil sowohl die Hauptverkehrsstrassen (B3, L555 und B292) wie auch die Bahnstrecke Heidelberg – Bruchsal die Richtwerte für Planungen nach Stufe 2 überschreiten. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) bzw. das Eisenbahnbundesamt sind für die Erstellung der Lärmkarten zuständig. Die Lärmkarten für die Stufe 1 liegen schon vor: in Bad Schönborn wurde auf Basis des Verkehrsaufkommens “nur” die L555 bislang kartiert.

Die Gemeinde muss bei Überschreitung von Lärmpegelwerten Lärmaktionspläne unter Mitwirkung der Öffentlichkeit bis spätestens 18. Juli 2013 (für Stufe 2) erstellen. Das LUBW hat dazu verschiedene Materialien vorbereitet (u.a. eine Übersichtsbroschüre, die auch viele Maßnahmen beinhaltet).

Lärmaktionspläne können in rund neun Monaten erstellt werden. Die Lärmpegelwerte in Baden-Württemberg gehören allerdings zu den unerfreulichsten (Quelle) aus Sicht der lärmgeplagten Anwohner:

  • Gemeinden, in denen Bereiche (mehr als 10 Wohnhäuser, mehr als 100 Betroffene) mit Lärmbelastung LDEN≥70 dB(A) oder LNight ≥60 dB(A) vorhanden sind.

Wie hoch ist nun der Lärmpegel an der Eingangstür eines Anwohners der B3 in Bad Schönborn?

  • Durchschnittlicher Tagesverkehr: 11.641 Kfz/Tag (laut bundesweiter Erhebung aus dem Jahr 2005 an der B3 Zählstelle 6717 1103 in Bad Schönborn)
  • Straßengattung: Bundesstraße
  • Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
  • Steigung/Gefälle: 0%
  • Straßenoberfläche: nicht geriffelte Gussasphalte
  • Abstand von der Fahrbahnmitte: 5 Meter
  • Höhe über Fahrbahnoberfläche: 2 Meter

Mit dem Online-Lärmrechner lässt sich der Mittelungspegel schätzen (für einen langen geraden Fahrstreifen). So ergibt sich daraus ein Mittelungspegel von 74,9 dB(A) tagsüber bzw. 67,5 dB(A) nachts.

Damit sind die Grenzwerte auch für Straßen in der Baulast des Bundes (B3) überschritten (selbst für Mischgebiete dürfen 72 dB(A) bzw. 62 dB(A) nicht überschritten werden). Dringender Handlungsbedarf ist vorhanden.

Lärmschutz ist nicht umsonst Daueraufgabe (siehe Vortrag der Umweltministerin).

Wie schnell schafft Bad Schönborn den ersten Schritt – Lärmaktionsplanung in 2011 fertig zur Umsetzung?

Gemeinderat entscheidet am Dienstag 23. März über Antrag auf eine Bürgerinformationsveranstaltung

Samstag, März 20th, 2010

Positiv ist zu bewerten, dass Bürgermeister Müller den Antrag der SPD-Gemeinderatsfraktion als TOP 2 auf die Agenda der öffentlichen Sitzung vom 23. März gesetzt hat.
Wer Artikel 20 Absatz 2 Satz 1 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg gelesen hat, wird auch kaum bezweifeln, dass eine Bürgerinformationsveranstaltung bei diesem Vorhaben frühzeitig und zwingend geboten ist:

§ 20 (2) Gemeindeordnung: Bei wichtigen Planungen und Vorhaben der Gemeinde, die unmittelbar raum- oder entwicklungsbedeutsam sind oder das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wohl ihrer Einwohner nachhaltig berühren, sollen die Einwohner möglichst frühzeitig über die Grundlagen sowie die Ziele, Zwecke und Auswirkungen unterrichtet werden. (…)

Leserbrief: Wo sind die Planungen?

Dienstag, März 16th, 2010

Leserbrief erschienen in der BNN vom Dienstag, 16. März
Zum Leserbrief „Kompromiss ist notwendig“ vom Samstag, 6. März:
Dieser Leserbrief erweckt den Anschein, dass es erstens in Mingolsheim und Langenbrücken Ortszentren entlang der B3 gibt. In Mingolsheim würde ich es dort eher nicht vermuten; für mich ist dort das Zentrum der Marktplatz mit Rathaus.
Dann, wo sind denn die Planungen für eine Verkehrsberuhigung der B3? Ich habe noch keine gesehen. Wenn man den Aussagen von Bürgermeister Müller glauben schenken darf, ist es sehr schwierig eine Bundesstraße zu beruhigen. Denn die B3 bleibt B3, mit und ohne Umgehungsstraße. Nach zurückliegenden Gesprächen mit Bürgermeister Müller habe ich von ihm immer erfahren, dass die Gemeinde keine Übergänge, Verengungen und Zebrastreifen schaffen darf, weil es sich um eine Bundesstraße handelt. Dort würde ich als erstes ansetzen. Erst durch Unfälle mit Todesfolge sind zusätzliche Ampeln und Übergänge geschaffen worden. In Weingarten gibt es Tempo 30 auf der B3, ebenso jetzt in Östringen.
Dann, wer benutzt denn überwiegend die B3 in unserer Gemeinde? Sind es nicht wir selber am allerhäufigsten? Eine neue Verkehrszählung könnte darüber Aufschluss geben.

Birgit Rösner, Uhlandstraße 3, Bad Schönborn

Alternativen sind möglich!

Montag, März 8th, 2010

Professor Heiner Monheim – einer der profiliertesten Verkehrswissenschaftler Deutschlands – hat am Freitag im Wieslocher Kulturhaus zum Thema „Verkehrspolitik unter aktuellen Herausforderungen“ einen sehr guten und anschaulichen Vortrag gehalten.

Monheim ist ist ein anerkannter Wissenschaftler und praktizierender Raum- und Straßenplaner. Zu seinen Erfolgen zählen die effizientesten Verkehrsverbünde und Stadtbuskonzepte Deutschlands. Unter seiner Federführung wurden zum Beispiel allein in Nordrhein-Westfalen über 1.600 überörtliche Durchgangsstraßen in Städten und Gemeinden so verändert, dass die daraus resultierende Verkehrsberuhigung eine Umgehung unnötig machte. Dadurch wurden nicht nur zig Millionen Euro eingespart sondern auch Mensch und Umwelt geschont.

Von den vielen bei diesem Vortrag dargestellten, modernen und machbaren Maßnahmen ist in Bad Schönborn bis auf die Realisierung von Tempo 30 Zonen keine realisiert! Warum nicht? Grenzen diese Versäumnisse nicht an Fahrlässigkeit und Körperverletzung? Nimmt hier jemand die Bewohner an der B3 und die Bevölkerung als „Geisel“, nur um eine weitere Schnellstraße für den überregionalen Verkehr zu begründen und zu bauen?

Monheim stellte mit den neuesten Prognosen zur Verkehrslage dar, dass einerseits das Verkehrsaufkommen sinkt, aber der Binnenverkehr innerhalb der Ortschaften inzwischen 60-80 % beträgt. Das sind wir alle selbst! Wer dieses Problem mit einer Umgehung lösen will, belügt sich selbst. Bevor man um Bad Schönborn die Landschaft und Natur sowie Beziehungen zu Nachbardörfern zerstört und sonstige Unwägbarkeiten unwiderbringlich hervorruft, sollte man zuerst alle kreativen und bereits hunderfach bewährten Alternativen zur Verkehrsberuhigung an der B3 und der Region realisieren. Alles andere ist fahrlässig und Verschwendung von Steuergeldern!

Der Vortrag wurde auf Video aufgezeichnet. Sobald uns das Video zur Verfügung steht, werden wir dieses hier ins Forum stellen. Es wäre wünschenswert, wenn unsere Kommunalpolitiker und Verwaltungsführungskräfte Professor Monheim zu einem Vortrag nach Bad Schönborn einladen würden, um die Sachlage vor Ort mit diesem anerkannten Experten zu beraten!