Beitrag von Georg Henneges (Interessengemeinschaft Umgehungsstraße)
Ja , in der letzten Woche ging es Schlag auf Schlag. Es begann am letzten Wochenende mit dem Interview, die K3575-Initiative dem Wochenblatt gab. Es gelang darin, unsere Sichtweise zur K3575-Planung darzustellen und die zweifelhaften Grundlagen der Verkehrsdaten zu hinterfragen.
Montagabend waren wir an zwei Stellen gefordert: Zum einen galt es die Bürgerversammlung der SPD am Mittwoch vorzubereiten und zum anderen wollten wir über die Ergebnisse der Bürgerversammlung zu den Verkehrsbefragungen und –zählungen in Östringen informiert werden. Interessant, dass die Bürger von der Gemeinde dort unterrichtet wurden. Wir fordern seit 10 Jahren die Aktualisierung der Verkehrsdaten für Bad Schönborn. Bisher ist es uns leider nicht gelungen die Verwaltung und die Gemeinderäte davon zu überzeugen, dass man ein solches „Jahrhundertprojekt“ nicht mit 25 Jahre alten Verkehrsdaten begründen kann. Was in Östringen binnen weniger Monate gelang, scheint in Bad Schönborn unmöglich zu sein.
Dienstagmorgen war wiederum Interviewtag; dieses mal kam der SWR zu uns und hinterfragte unsere Sicht der Dinge. SWR-Reporter Jürgen Essig besuchte anschließend Bürgermeister Rolf Müller, der natürlich ebenfalls gehört werden musste. Auch hier gelang es Georg Henneges zumindest Nachdenklichkeit beim Hörer zu wecken. In der Anmoderation wurde auf die von der SPD-Fraktion einberufene „Bürgerversammlung“ hingewiesen, mit dem Hinweis, dass sich die Bürger hier von den Befürwortern und Gegnern der neuen K3575 die Argumente anhören könnten und reichlich Gelegenheit zur Diskussion bestände. Noch am Nachmittag wurde der Beitrag gesendet. Am selben Abend erschien als I-Tüpfelchen das Wochenblatt, mit dem Interview auf der ersten Seite.
Mittwochabend fand dann die von der SPD anberaumte „Bürgerversammlung“, die ja eigentlich Sache unserer Gemeinde hätte sein müssen, statt. In der gut besuchten Ohrenberghalle waren auf dem Podium Vertreter des Landratsamts (Patrick Bohner und Björn Gärtner), Kreisräte aus den Fraktionen der CDU (Manfred Sickinger), Freien Wähler (Rolf Müller), SPD (Bernhard de Bortoli) und für die Grünen (Felix Harling), sowie von den B3-Anwohnern Herr Peter Callsen-Cencic und den Kritikern Herr Georg Henneges. Moderiert wurde die Diskussion von Herrn Werner Henn (SPD), da sich die SPD-Fraktion wohl bewusst zurückhalten wollte. Gemeinderat Hans Schindler begrüßte die Anwesenden und sprach die Schlussworte.
Neben den bekannten Standpunkten, die zur Planung der Umgehungsstraße führten, sprachen interessanterweise die Befürworter immer wieder von der Doppelfunktion der K3575neu – nämlich einer Ersatz-B3 und Entlastungsstrecke für die Autobahn. Für die B3-Anwohner wurde sehr emotional die Umgehung gefordert, leider mit Zahlen, die nirgends erläutert wurden und ohne echten Bezug auf die Planungsunterlagen.
Von unserer Seite wurde demgegenüber versucht, sachlich und neutral zu bleiben und an wenigen Beispielen, die veralteten Ergebnisse der allem zugrundeliegenden Verkehrbefragungen aus dem Jahr 1985 (sic!) und den Stichproben aus 2000, sowie den mehrfach korrigierten und auf 2025 extrapolierten Verkehrszählungen deutlich zu machen. Wie sich aus 25 Jahre alten Daten mit ganz anderen Verkehrsströmen (es gab noch keine K3575 südlich von Stettfeld, keinen Anschluss an die Autobahn bei Bruchsal, keine Nordumgehung Bruchsal, keinen ALDI und keinen Dr.-Alfred-Weckesser-Anschluss an die L555 (Verbindung Östringen-Kronau-Autobahn), keine LKW-Maut usw…) die Verkehrsprognosen für 2025 errechnet werden, ist unwissenschaftlich, da nicht nachvollziehbar. Auf diesen Zahlen beruhen aber alle anderen Gutachten – die Schalltechnische Untersuchung (Lärm), das Gutachten zur Luftschadstoffbelastung (Feinstaub und schädliche Gase) und die Umweltverträglichkeitsstudie. Alle stehen und fallen mit den prognostizierten Verkehrszahlen.
Nirgends werden verständliche Daten zum „hausgemachten“ Ziel-und Quellverkehr abgeleitet, die sich eben nicht durch eine Umgehungsstraße ändern werden. Für Bad Schönborn wurden von Professor Heiner Monheim im Sommer 70-80% des Verkehrs an der B3 als hausgemacht – also nicht beeinflussbar – geschätzt. Dies wird durch die aktuellen Ergebnisse der Untersuchungen in Östringen bestätigt, wo 58% des PKW und 54% des LKW-Verkehrs hausgemacht sind. Da Langenbrücken, Mingolsheim und Kronau im Nahbereich viel mehr hausgemachten Ziel- und Quellverkehr haben, sind unsere Abschätzungen sicher realistisch: die Umgehungsstraße würde also nur wenig an der B3 bewirken, aber eine Zäsur für Jahrzehnte sein.
Die Natur zwischen Bad Schönborn und Kronau würde unwiederbringlich zerschnitten, Naherholungsgebiete unzugänglich gemacht und es würden sehr viele Bürger aus den Gemeinden zusätzlich mit Lärm und Luftschadstoffen belastet werden. Georg Henneges plädierte daher dafür, noch mal innezuhalten und das für und wider in Ruhe zu diskutieren, wenn aktuelle Verkehrsprognosen aus Verkehrsbefragungen- und zählungen, wie in Östringen geschehen, vorliegen. Er forderte die Gemeinderäte auf, sich über die 35 Forderungen, die im November 2000 an die Planungsbehörde gingen, zu informieren und gewissenhaft zu prüfen, ob sie mit den zwei bis heute erfüllten Forderungen von 35 zufrieden wären und vor ihre Wähler treten könnten. Dazu kommentierte Kreisrat und Bürgermeister Rolf Müller, dass es 14 erfüllte Forderungen gäbe. Welche das sind, erzählte er den Bürgern aber nicht. Transparenz und Bürgernähe sehen anders aus.
In den anschließenden Diskussionen wurde deutlich, dass die Mehrheit der Anwesenden die Nachteile der geplanten K3575neu sehr sorgt. Alle Fragen aus dem Publikum drehten sich um die zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen und die Sorge um die Naturzerstörung. Um 23h30 schloss Gemeinderat Hans Schindler diese wichtige Bürgerversammlung.