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Bad Schönborner Besonderheit VII: -10.000 Kfz/Tag auf der B3 in Mingolsheim

Samstag, November 20th, 2010

10.000 Fahrzeuge weniger durch die Umgehungsstraße in Mingolsheim. Das versprechen die Verkehrsplaner und die befürwortenden Parteien den Anwohnern der B3. Die Frage ist: wie kommt diese Zahl zu Stande?

1. für eine derartige massive Entlastung gilt es erst einmal den Null-Fall (d.h. die Gemeinde und der Landkreis unternehmen gar nichts) zu berechnen. Leider gibt das Verkehrsgutachten von 2009 so gut wie keine Information, auf welcher Basis dieser Null-Fall berechnet wurde. Es gibt in diesem Verkehrsgutachten ja nicht einmal ein Quellenverzeichnis, geschweige denn eine Erläuterung der Berechnungsmethodik (siehe auch Kritikpunkte zum Verkehrsgutachten). So kommt der Gutachter einfach zum Schluss, dass zum Beispiel auf der Heidelberger Straße in Mingolsheim im Null-Fall im Jahr 2025 15.100 Kfz pro Tag fahren werden. Eine starke Zunahme der Verkehrszahlen für den Null-Fall ist auf jeden Fall von Vorteil um eine hohe Entlastung zu erreichen…

2. Eine weitere Schlussfolgerung aus Sicht eines B3-Anwohners: Diese Zahlen können ja schon mal nicht stimmen, da z.B. der Binnenverkehr von Mingolsheim nicht berücksichtigt ist.

3. der Verkehrsgutachter wird dann in einem zweiten Schritt die Verkehrsverlagerung auf die neue Straße berechnen. Für den Planungshorizont 2025 (Gutachten von 2009) gibt es keine Details. Der Leser erfährt nicht, wie der Gutachter auf die Entlastungszahlen kommt. Im Gutachten von 2004 (Planungshorizont 2020) hatte der Gutachter die Grundlagen noch etwas näher erläutert. Vier konkrete Beispiele aus diesem Gutachten aus dem Jahr 2004 werden im folgenden betrachtet:

3.1 Verkehr aus Richtung Östringen in Richtung Heidelberg (und umgekehrt)

Laut Verkehrsgutachter würden ALLE Autofahrer aus Richtung Östringen nicht mehr die kürzeste Strecke über die Rochusstraße, sondern den Umweg über die neue Umgehungsstraße fahren. Damit verschwinden im Gutachten 961 Kfz / Tag von der B3 (Heidelberger Straße). In der Realität wird die Mehrheit der Autofahrer natürlich weiter die kürzeste Strecke über die Rochusstraße / Heidelberger Straße fahren. Es gibt ja heute schon den Schleichverkehr über die Beethovenstraße durch den Kurbereich.

3.2 Verkehr aus Richtung Langenbrücken in Richtung Heidelberg (und umgekehrt)

Der Verkehrsgutachter hat auch für die Einwohner von Langenbrücken einiges vor: kein einziger Einwohner von Langenbrücken soll im Jahr 2020 auf der B3 durch Mingolsheim in Richtung Heidelberg mehr fahren… Damit verschwinden zusätzliche 718 Kfz/Tag von der Heidelberger Straße (natürlich nur auf dem geduldigen Papier des Gutachtens). Für wie realistisch halten Sie das denn?

3.3 Verkehr aus Richtung Stettfeld in Richtung Heidelberg (und umgekehrt)

Der Verkehrsgutachter geht auch hier davon aus, dass der KOMPLETTE Verkehr von/zu Orten südlich von Langenbrücken über die neue Umgehungsstraße geführt wird. Damit verschwinden im Verkehrsgutachten weitere 5.807 Kfz / Tag von der B3 (Heidelberger Straße). Eine derartig hunderprozentige Verkehrsverlagerung ist völlig unrealistisch.

Schon mit diesen drei Beispielen hat der Verkehrsgutachter rund 7.500 Kfz/Tag von der B3 in der Heidelberger Straße verschwinden lassen. Diese Verkehrsverlagerung wird leider nur auf dem Rechner des Verkehrsgutachters stattfinden…

Natürlich betreffen die unrealistischen Verkehrsverlagerungen nicht nur die B3, sondern auch z.B. die Bahnhofsstraße in Mingolsheim:

Hier nimmt z.B. der Gutachter an, dass KEIN EINZIGER Autofahrer mehr aus Östringen kommend durch die Rochus- und Bahnhofsstraße nach Kronau fährt (und umgekehrt). Damit verschwinden auf einen Schlag 1.073 Kfz/Tag von der Bahnhofsstraße.

Es ist schon erstaunlich wie gutgläubig die Politiker sind, die ohne Rückfragen eine Aussage wie “10.000 Autos weniger auf der B3 in Mingolsheim” immer wiederholen… Der Landkreis war der Auftraggeber: diese vier Beispiele zeigen auf, wie Verkehrsgutachter die politisch gewünschte Verkehrsentlastung “berechnen” lassen können.