Zum Leserbrief in der BNN: “Wesentliche Faktoren blieben unberücksichtigt” vom 21. Februar
Ein wesentlicher Faktor für den von der Bundesanstalt für Straßenwesen festgestellten Rückgang des Verkehrs um rund 10% an der B3 zwischen 2005 und 2010 soll laut der Bürgerinitiative ‘Pro Umgehungsstraße’ “ein Verlust von vielen hundert Arbeitsplätzen in der ohnehin schwachen Region um Bad Schönborn” gewesen sein. Müssen wir jetzt auch noch unsere Region arm reden, um unliebsame Verkehrszahlen zu erklären?
Wie sehen dazu die Fakten des statistischen Landesamtes aus? Der Zuwachs an Berufspendler nach/von Bad Schönborn zwischen 2005 und 2010 beträgt +9%. In den umliegenden Gemeinden gab es ebenfalls Gewinne an Berufspendlern: Kronau +1%, Östringen +3% oder Ubstadt-Weiher +9%. Alle anderen Kriterien für Wirtschaftskraft zeigen im Vergleich zwischen 2005 und 2010 ebenfalls eine positive Entwicklung. Unsere Region besteht zum Glück aus deutlich mehr als Invista und Heidelberger Druck. Berufspendler sorgen für die Verkehrsspitzen in der Morgen- und Abendstunden. Mehr Berufspendler und weniger Verkehr, das ist doch eine positive Entwicklung. Sie passt aber nicht in das Denkschema der Straßenbaufraktionen.
Wer amtliche Zahlen benutzt, die vor Ort gemessen wurden, dem wirft die Bürgerinitiative vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wer aber – wie die Bürgerinitiative – allgemeine Zahlen für Baden-Württemberg auf Bad Schönborn anwendet und mit dem Blick aus dem eigenen Fenster vergleicht, macht alles richtig. Für diese Argumentation fehlen mir die Worte… Absurd ist ebenso der Vorwurf, ich würde mit meinem Leserbrief “Bürgerbegehren unterdrücken”. Auf Falschaussagen und Übertreibungen einer Bürgerinitiative darf doch wohl noch öffentlich hingewiesen werden?
Es gibt Argumente für und gegen die Umgehungsstraße. Es ist das Recht jeden Bürgers, auf Alternativen zu einer Investition von über 30 Millionen Euro und auf die Mängel der bestehenden Planung hinzuweisen. Was nützt es den Anwohnern, wenn diese Planung auf Grund der offensichtlichen Mängeln in der Schublade landet?
Für mehr Lärmschutz und Verkehrsberuhigung in Bad Schönborn müssen erst einmal die Zahlen und Fakten für die Gemeinde erhoben werden, wie es z.B. Ubstadt-Weiher und Östringen vorgemacht haben. Es gilt dann die Maßnahmen zu planen und zu ergreifen, die dazu beitragen die Wirkungen des Auto- und LKW-Verkehrs kurzfristig zu verringern. Unser Verkehr ist mehrheitlich hausgemacht. Nur gemeinsam können wir dessen Probleme lösen.
Zu guter letzt: Was gestern noch “grüne Ideologie” war, ist heute mitten bei den Menschen angekommen: Ausstieg aus der Atomenergie, gesunde Lebensmittel, Ganztagsschulen, Tempo 30 auf Hauptstraßen innerorts um nur einige zu nennen. Es gibt auch immer mehr Menschen, die wie ich mit der S-Bahn zur Arbeit fahren und so unsere Hauptstraßen entlasten. Das könnte übrigens tatsächlich ein “wesentlicher Faktor” sein.